Anfrage
1. Welche Entwicklungen hinsichtlich der Geburtsbegleitung können auf den jeweiligen gynäkologischen Stationen des Städtischen Klinikums und der ViDia Kliniken seit Inkrafttreten des neuen Hebammenhilfevertrags am 1.11.2025 beobachtet werden?
a) Wie viele Beleghebammen bzw. freiberufliche Geburtshelferinnen und -helfer haben seitdem ihre Tätigkeiten dort aufgegeben bzw. ihre Arbeitsverträge mit den Kliniken gekündigt?
b) Wie stellen sich die aktuelle Versorgungssituation im Bereich der Geburtshilfe sowie das jeweilige Betreuungsverhältnis Hebammen – werdende Mütter in den beiden Kliniken momentan dar?
2. Wie ordnet die Stadtverwaltung Karlsruhe die weiteren Entwicklungen im Bereich der Geburtshilfe für werdende Mütter in Karlsruhe ein? Mit welchen weiteren Versorgungsengpässen wird zukünftig auf den Geburtsstationen der beiden Kliniken gerechnet?
3. Welche Gespräche führt die Stadt mit der Kreisgruppe Karlsruhe des Hebammenverbands Baden-Württemberg e.V., um die Arbeit der freiberuflichen Geburtshelferinnen und -helfer vor Ort zu unterstützen und deren Arbeitssituation zu verbessern?
4. Was unternimmt die Stadt Karlsruhe um mehr Hebammen für die Geburtsvorbereitung und -hilfe in Karlsruhe zu gewinnen? Gibt es spezielle Anreize und Erleichterungen wie Unterstützungen bei der Wohnungssuche o.Ä.?
5. Welche Gespräche führt der Oberbürgermeister als Präsident des Städtetags Baden-Württemberg gemeinsam mit anderen Städten und den verantwortlichen Stellen in Land und Bund, um eine weitreichende Verbesserung der Arbeitssituation für Beleghebammen herbeizuführen und eine gute Geburtsbegleitung in Karlsruhe zu sichern?
Sachverhalt / Begründung:
Neben fest angestellten Hebammen arbeiten im Bereich der Stationen für Gynäkologie und Geburtshilfe in den Kliniken im Bundesgebiet auch zahlreiche freiberufliche Beleghebammen, ohne die eine gute Begleitung und Versorgung der werdenden Mütter oft nicht möglich wäre.
Seit Inkrafttreten des neuen Hebammenhilfevertrags am 1. November 2025 hat sich die Arbeitssituation für Beleghebammen, die Verträge mit den jeweiligen Kliniken abschließen, stark verschlechtert. Diese müssen nun minutengenau ihre Arbeitsschritte dokumentieren, da ihre Tätigkeit nicht mehr pauschal, sondern im Fünfminutentakt abgerechnet wird (https://hebammenverband.de/wp-content/uploads/2025/07/2025-04-02_Vertrag-ueber-die-Versorgung-mit-Hebammenhilfe-nach-%C2%A7-134a-SGB-V_Gesamtfassung.pdf). Diese Hebammen müssen daher bei ihrer höchst verantwortungsvollen und wichtigen Tätigkeit nun noch mehr bürokratische Auflagen erfüllen und stehen unter enormem Zeitdruck.
Ziel des neuen Hebammenhilfevertrags war es, die 1:1-Betreuung zu stärken, damit eine Frau während der gesamten Geburt von einer Hebamme kontinuierlich betreut werden kann, wofür eine Hebamme dann einen Bonus ausgezahlt bekommen sollte. Bei der parallel stattfindenden Betreuung mehrerer Frauen – die sich im regulären Arbeits- und Klinikalltag nicht vermeiden lässt – wird deren Leistung aber nur noch anteilig vergütet. Diese Regelung geht daher völlig an der Realität vorbei. Der neue Vertrag führt eher zu einem geringeren Verdienst für die freiberuflichen Hebammen.
Trotz einiger Änderungen und kleiner Verbesserungen zum 1. April 2026 (https://hebammenverband.de/hhv-verbesserungen-fuer-beleghebammen) ist die finanzielle Situation der freiberuflichen Hebammen nach wie vor sehr angespannt.
Neben bereits vorgenommenen Vertragskündigungen sind weitere Kündigungswellen und letztlich mittelfristig auch Schließungen von Geburtsstationen in manchen Kliniken zu befürchten.
Für die Geburtsbegleitung für werdende Mütter in Karlsruhe stellt sich vor diesem Hintergrund somit die Frage, wie die aktuelle Situation in der Fächerstadt einzuordnen ist. Daher sollten zunächst Informationen zu aktuellen Kündigungszahlen auf den Stationen der Geburtshilfe im Städtischen Klinikum sowie in den ViDia Kliniken gewonnen werden. Auch weitere Entwicklungen und zukünftige Versorgungsengpässe bei der Geburtshilfe müssen hier genau beobachtet werden. Zudem sollte in Erfahrung gebracht werden, ob und wie Gespräche sowie spezifische Maßnahmen seitens der Karlsruher Stadtverwaltung eine leichte Verbesserung der Arbeitssituation der freiberuflichen Hebammen herbeiführen können.
Um auch langfristig eine gute Frühversorgung von Müttern und deren Babys in Karlsruhe gewährleisten zu können, sind gute Arbeitsbedingungen sowie eine angemessene Bezahlung der Hebammenarbeit unerlässlich. Daher müssen die Auswirkungen von bundespolitischen Entscheidungen vor Ort genau begleitet werden. Letztlich müssen alle Möglichkeiten und Chancen, die auf Kommunalebene und mit der Präsidentschaft des Städtetags von Baden-Württemberg des Oberbürgermeisters bestehen, geprüft werden, um zu einer Entspannung der unannehmbaren Situation beitragen zu können.
Unterzeichnet von:
Dr. Stefan Noé | Thomas H. Hock | Annette Böringer | Petra Lorenz

