Antrag

1. Wie in der Stadt Freiburg im Breisgau am Fluss Dreisam lokalisiert die Untere Wasserbehörde der Stadt Karlsruhe in Rücksprache mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe geeignete Stellen zur Errichtung von zweckmäßigen Kältepools in städtischen Flussabschnitten der Alb. Nach Beantragung und Bewilligung von entsprechenden Förderzuschüssen des Landes Baden-Württemberg wird die Erbauung solcher Kältebecken an diesen qualifizierten Flussstandorten in Zusammenarbeit mit dem Pächter, dem Anglerverein Karlsruhe e.V., umgesetzt.

 

2. Die finanziellen Mittel zur Errichtung der Kältepools in der Alb im Stadtkreis Karlsruhe werden unter Einbezug der oben genannten Zuschüsse im Rahmen des Budgets der städtischen Klimaanpassungsstrategie verwendet.

 

 

Sachverhalt / Begründung:

Der gewässerökologische Zustand der Alb als bedeutender Nebenfluss des Rheins mit hoher Fischmigration hat sich angesichts der langen Hitzeperiode im Sommer 2026 für die heimische (Kleinst-)Tier- und Pflanzenvielfalt stark verschlechtert.

Insbesondere für die dort lebenden Fischarten wie Bachforelle, Äsche, Barsch, Bachneunauge, Döbel und Mühlkoppe sind die hohen Temperaturen und der Niedrigstand des Gewässers mit dem zu geringen Sauerstoffgehalt zu einer echten Überlebensgefahr geworden, weshalb bereits zahlreiche Fische verendeten. Die Badischen Neuesten Nachrichten berichteten kürzlich ebenso über die Auswirkungen der klimatischen Entwicklungen für den Karlsruher Fluss („Die Alb im Hitzestress“, Ausgabe vom 17. August 2026).

Fortlaufende Maßnahmen zur Stabilisierung des Wildbestandes durch die regelmäßige Einsetzung von Jungfischen sind hierbei jedoch nur zielführend, wenn diese auch geeignete Lebensräume für deren Entwicklung vorfinden können.
Als langfristige Lösung zur Verbesserung der Gewässerstruktur für die Fische sowie für andere Lebewesen können u.a. sogenannte Kältepools in bestimmte Flussabschnitte eingesetzt werden.
In der Dreisam in und bei Freiburg im Breisgau wurden bereits im Jahr 2022 solche Kältebecken eingerichtet, in denen die Fische bei kühleren Wassertemperaturen besser überleben und laichen können. Hierfür werden zunächst sinnvolle Flussstellen identifiziert, an denen kaltes Grundwasser von unten in das Flussbett drückt. Dort werden dann jeweils zwei Baumstämme in V-Form im Fluss verankert (Buhnen), wodurch die Flussströmung schneller wird und sich der Sauerstoffgehalt im Wasser erhöht. Hinter den Baumstammbuhnen werden 1 bis zwei Meter tiefe Becken ausgehoben, in denen sich das kühlere Grundwasser dann mit dem deutlich wärmeren Oberflächenwasser mischt, wodurch für die Fische vorteilhafte Kaltwasserzonen entstehen (https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/fazit-kaeltepools-in-der-dreisam-zum-schutz-fuer-fische-100.html). Zum Schutz vor Fressfeinden (wie z.B. Graureiher) können die Kältebecken noch zusätzlich mit Totholz ausgelegt werden.

Das Projekt brachte in der Dreisam bereits sehr gute Erfolge hinsichtlich der Förderung des Wildfischbestands und der Biodiversität hervor. Dort wurde es vom Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Freiburg, dem Landesfischereiverband Baden-Württemberg e.V. und der IG Dreisam e.V. umgesetzt.

Aufgrund der gelungenen Realisierung von Kältebecken in der Dreisam in und um Freiburg durch die zuständigen Stellen ist eine Errichtung solcher natürlicher Kaltwasserbereiche mit den vorhandenen finanziellen Mitteln und politischem Willen auch im städtischen Albabschnitt von Karlsruhe möglich. Hier forderte bereits der Anglerverein Karlsruhe e.V. den Einbau kleiner Kälteareale.
Da die Kosten für die Einrichtung eines Pools bei ca. 25.000 bis 30.000 Euro liegen, sollten hier entsprechende Fördermittel beim Land Baden-Württemberg zur Verbesserung des Natur- und Artenschutzes in Fließgewässern beantragt werden. Die übrigen finanziellen Mittel sollten aus dem Budget der städtischen Klimaanpassungsstrategie verwendet werden.

Da aktiver Hitzeschutz nicht an der Wasseroberfläche endet und die aquatische Fauna der Alb bedroht ist, hat die Stadt Karlsruhe hier eine ganz besondere Verantwortung. Mit dem gezielten Schutz und der Förderung der blauen Infrastruktur im urbanen Raum fügt sich dieses Projekt an der Alb auch in die städtischen Klimaschutzziele passend und sinnvoll ein.
Darüber hinaus verpflichtet seit dem Jahr 2000 die EU-Wasserrahmenrichtlinie die Stadt Karlsruhe, zur Revitalisierung der heimischen Flüsse, Bäche und Seen beizutragen und einen guten Zustand ihrer Gewässer zu erreichen (https://www.karlsruhe.de/umwelt-klima/revitalisierung).

Mit dem Bau solcher Kältebecken könnten sich der Wildfischbestand sowie die allgemeine Biodiversität in der Alb wieder deutlich erhöhen, ohne dass immer häufiger durch den Einsatz von Jungfischen aus Bruthäusern künstlich und ineffektiv nachgeholfen werden muss.
Insbesondere im Hinblick auf weitere kommende Hitze- und Trockenperioden im Oberrheingebiet sind die Mittel für die Einrichtung dieser Fischpools eine zielführende und wirksame Investition, um die Bedeutung der Alb in der europäischen Flusslandschaft sowie als Heimat von zahlreichen Fischbewohnern, Kleinstlebewesen und Pflanzenarten zu erhalten.

 

Unterzeichnet von:

Dr. Stefan Noé, Thomas H. Hock, Annette Böringer, Petra Lorenz

     

    Einrichtung von Kältepools in der Alb im Stadtkreis Karlsruhe zur Förderung des Fischbestands und der allgemeinen Biodiversität