1. Wie haben sich die Zahlen der ambulant praktizierenden Kinderärztinnen und Kinderärzte im Stadtkreis Karlsruhe in den Jahren 2015 bis 2025 entwickelt?

 

2. Bei wie vielen der in Praxen oder medizinischen Versorgungszentren praktizierenden Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin rechnet die Stadtverwaltung aufgrund des altersbedingten Eintritts in den Ruhestand in den kommenden fünf bis zehn Jahren mit der Aufgabe von Arztsitzen und der Beendigung der Tätigkeit im Stadtgebiet?

 

3. Wie bzw. mithilfe welcher Maßnahmen soll das Thema Kinder- und Jugendgesundheit und pädiatrische Grundversorgung in Karlsruhe zukünftig priorisiert angegangen und gefördert werden?

 

a) Haben die Stadtverwaltung und die Kommunale Gesundheitsförderung bereits in Erwägung gezogen, gezielte Förderprogramme wie im Stadtkreis Stuttgart (https://www.stuttgart.de/leben/gesundheit/ambulante-aerztliche-versorgung/foerderprogramm- kinderaerztliche-versorgung.php) oder wie in anderen Kommunen und Landkreisen auf den Weg zu bringen, um u.a. mithilfe von finanziellen Anreizen mehr Kinderärztinnen und Kinderärzte für Karlsruhe zu gewinnen?

 

b) Falls ja, hat die Stadt Karlsruhe hierzu bereits Zahlen bei der Stadt Stuttgart oder anderen Kommunen und Landkreisen zum Erfolg solcher Förderprogramme abgefragt?

 

c) Finden zu dieser Thematik regelmäßige Gespräche mit der KVBW, der Landesregierung sowie anderen Kommunen – auch im Rahmen des Städtetags Baden-Württemberg oder des Deutschen Städtetags – statt?

 

d) Falls ja, welche Ergebnisse konnten bisher festgehalten werden, um die medizinische Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe weiterhin zu sichern bzw. zu verbessern?

 

 

Sachverhalt / Begründung:

Maßnahmen zur Gewährleistung und Verbesserung der ambulanten pädiatrischen Grundversorgung in Karlsruhe müssen auch bei der Arbeit der Kommunalen Gesundheitsförderung eine überaus hohe Priorisierung erfahren, um die wichtige Kinder- und Jugendgesundheit im Stadtgebiet nicht zu gefährden.

Auf eine Kinderärztin bzw. einen Kinderarzt entfallen in Karlsruhe rund 1.055 Kinder (https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/kinderaerzte-stuttgart-mangel-verivox-100.html). Diese Fachärztinnen und Fachärzte können aufgrund ihrer Kapazitäts- und Arbeitsauslastung häufig keine weiteren Patienten mehr aufnehmen. Eine Behandlung ist häufig mit sehr langen Wartezeiten verbunden, was mit erkrankten Kindern eine zusätzliche Belastung für alle Beteiligten darstellt.

Eine weitere zahlenmäßige Abnahme ambulant praktizierender Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin bedeutet zudem auch eine Mehrbelastung für die jeweiligen Notaufnahmen der Kliniken in Karlsruhe, da Eltern diese mit ihren Kindern dann noch schneller aufsuchen, auch wenn möglicherweise kein dringender Notfall vorliegt.

Es bestehen bereits verschiedene Programme, um eine Verbesserung der Versorgungssituation in diesem Bereich herbeizuführen. Das Land Baden-Württemberg finanziert noch bis Ende 2025 die ambulante kinder- und jugendliche Weiterbildungsförderung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) mit bis zu 648.000 Euro (https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/land-staerkt-ambulante-paediatrie-durch-finanzierung-der-weiterbildungsfoerderung). Auf Kommunalebene brachten bereits Städte wie Stuttgart ein Förderprogramm auf den Weg, um u.a. mithilfe von gezielten finanziellen Anreizen die Ansiedelung der ambulanten pädiatrischen Tätigkeit vor Ort zu unterstützen. Hierfür stellte die Stadt Stuttgart in den letzten Doppelhaushalt 2024/25 kommunale Mittel in Höhe von 260.000 Euro ein, um Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin für unterschiedliche Arbeits- und Praxismodelle im Stadtgebiet zu gewinnen.

Auch für die Stadt Karlsruhe und ihre Kommunale Gesundheitsförderung stellt sich die Frage, was auf kommunaler Ebene getan werden kann, um die ambulante pädiatrische Grundversorgung für junge Familien in der Fächerstadt zu verbessern.
Diese Maßnahmen und Unterstützungsformen spielen schließlich nicht nur im Hinblick auf die Kinder- und Jugendgesundheit in Karlsruhe eine wichtige Rolle, sondern haben auch Einfluss auf die Attraktivität unserer Stadt, die für qualifizierte Fachkräfte aller Wirtschaftsbereiche ein Ort mit guten Zukunftsperspektiven, hoher Lebensqualität und funktionierenden Versorgungsstrukturen sein sollte.

 

Dr. Stefan Noé | Thomas H. Hock | Annette Böringer | Petra Lorenz

Entwicklung der ambulanten Kinder- und Jugendmedizin in Karlsruhe – Förderung der pädiatrischen Grundversorgung vor Ort