1. Wie viele Ärztinnen und Ärzte praktizieren derzeit in einer Praxis oder in einem medizinischen Versorgungszentrum im Stadtkreis Karlsruhe, die eine hausärztliche Grundversorgung anbieten (Stand: Juni 2025)?

 

2. Wie stuft die Stadt Karlsruhe die aktuelle Situation der hausärztlichen Grundversorgung im Stadtgebiet ein?

 

3. Wie viele der derzeit praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte in Karlsruhe werden erwartungsgemäß altersbedingt ihre Praxistätigkeit in den kommenden fünf bis zehn Jahren aufgeben?

a) Bei wie vielen dieser abzugebenden Hausarztsitze rechnet die Stadtverwaltung mit einer Übernahme und Fortsetzung der hausärztlichen Tätigkeit durch nachkommende Ärztinnen und Ärzte?

b) Bei wie vielen dieser abzugebenden Hausarztsitze erwartet die Stadtverwaltung eine Vakanz bzw. keine weitere Übernahme?

 

4. Welche Vorbereitungen sollen zusätzlich – zu den bei der Kommunalen Gesundheitskonferenz 2022 herausgearbeiteten Maßnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten zur Ansiedelung von ärztlichem Nachwuchs – seitens der Stadt Karlsruhe getroffen werden, wenn bereits in fünf Jahren viele Hausarztsitze im Stadtkreis Karlsruhe nicht mehr besetzt werden können?

 

 

Sachverhalt / Begründung:

Die hausärztliche Betreuungs- und Behandlungssituation in Deutschland steht hinsichtlich einer flächendeckenden Grundversorgung vor großen Herausforderungen: „Da der Ärztenachwuchs die Lücke nicht füllen kann, wird sich demnach die Zahl der fehlenden Hausärzte- und -ärztinnen in den nächsten fünf Jahren verdoppeln“ (BNN, 12.06.2025).

Bereits jetzt nehmen die Hausärztinnen und Hausärzte zentrale Anlauf-, Vorsorge- und Koordinationsstellen ein, bei denen alle Fäden der (fachspezifischen) Behandlung der Patientinnen und Patienten zusammenlaufen. Das auf Bundesebene geplante Primärarztsystem soll die hausärztliche Rolle zukünftig noch weiter stärken, sodass eine Überweisung an die jeweilige Fachärztin bzw. den jeweiligen Facharzt nur durch die Hausärztin bzw. dem Hausarzt vorgenommen werden kann. Somit wächst die Bedeutung dieser Funktion als Bindeglied bei der medizinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Im Hinblick auf eine alternde Gesellschaft mit steigendem Bedarf an regelmäßiger und intensivierter Versorgung bei kurzen Wegen und großen externen Abhängigkeiten wird die hausärztliche Tätigkeit in Zukunft ebenso von größerer Relevanz sein.

Ein stärkerer Rückgang an besetzten Hausarztsitzen wird die flächendeckende Betreuung daher weiter erschweren und den Druck auf die noch praktizierenden Hausärztinnen und -ärzte erhöhen.

Auch in Karlsruhe ist aufgrund von altersbedingten Praxisaufgaben in den kommenden Jahren mit vakant bleibenden Hausarztsitzen zu rechnen.
Somit sollten zunächst aktuelle Zahlen sowie eine mögliche Prognose zu den Hausarztsitzen in Karlsruhe ermittelt werden, um dann für die kommenden fünf Jahre weitere Unterstützungsmöglichkeiten und Maßnahmen zur Ansiedelung von ärztlichem Nachwuchs und der Übernahme von Hausarztsitzen vorbereiten zu können.

 

Dr. Stefan Noé | Thomas H. Hock | Annette Böringer | Petra Lorenz

 

 

Wie stellt sich die Stadt Karlsruhe auf die zukünftige hausärztliche Versorgungslage ein?